Übersicht
Wenn sich zwei Bekannte auf der Straße treffen und miteinander sprechen, dann läuft diese Begegnung normalerweise nach ziemlich festen Regeln ab. Man begrüßt sich, tauscht Neuigkeiten aus, redet über Altes, richtet Grüße und Wünsche aus und verabschiedet sich. Das mag von Fall zu Fall verschieden aussehen, doch im Kern läuft es fast immer so.
Ganz Ähnliches geschieht im Gottesdienst. Auch er hat feste Formen der Begrüßung, der Einstimmung, des Hörens, der guten Wünsche und der Verabschiedung. Beides, Treffen unter Bekannten wie Gottesdienst, hat eine ähnliche Struktur, und beides gliedert sich grob in drei Teile:
I. Zusammenkommen Sich Gott / dem Gesprächspartner zuwenden
II. Hören auf Gott / auf den Gesprächspartner
III. Auseinandergehen Gebet und Segen / Wünsche und Verabschiedung
In Form einer Übersicht sieht das so aus:
Gottesdienst
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Gespräch
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| I. Zusammenkommen Sich Gott zuwenden |
I. Zusammenkommen |
Einstimmen
Begrüßen und
Ankommen |
Glocken / Orgelvorspiel Begrüßung
Eingangslied |
Erstes Sehen
Sich treffen und begrüßen »Schön, dich zu sehen«
Sich einen Moment hinsetzen |
Sich an Gott wenden
und ihn anrufen |
Psalm / »Ehr' sei dem Vater« (Anhören)
Bittruf / »Herre Gott, erbarme dich« (Anhören)
Lobpreis /
»Allein Gott in der Höh' sei Ehr'« (Anhören) |
Sich einander zuwenden »Na, wie geht's?« Sich austauschen
erste Neuigkeiten, Freud und Leid |
| Sich sammeln |
Tagesgebet |
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| II. Hören Verkündigung |
II. Hören |
Hören
Antworten /
Bekennen
Verkündigen / Vertiefen
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Schriftlesung /
»Halleluja« (Anhören)
Glaubensbekenntnis
Lied vor der Predigt
Predigt
Lied nach der Predigt
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Längeres Erzählen / Gespräch
über Erlebnisse
über Geschichten über Personen
über sich
über dies und das |
| III. Auseinandergehen Gebet und Segen |
III. Verabschiedung |
An andere denken,
für sie beten
Begleitung
in den Alltag
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Abkündigungen /
Fürbitten / Stilles Gebet / Vaterunser
Schlusslied / Bekanntmachungen
Segen »Amen« (Anhören) /
Orgelnachspiel
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»Viele Grüße an ...« »Lass es dir gut gehen!« »Bleib gesund!«Sich verabschieden auseinander gehen
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I. Der Eingangsteil Zusammenkommen
Der Eingangsteil des Gottesdienstes stimmt die Gemeinde auf den Gottesdienst ein, lässt sie zur Ruhe kommen und bereitet sie auf die Verkündigung und ggf. das Abendmahl vor. Alle Elemente des Gottesdienstes und alle Themen klingen schon einmal an.
Am Anfang steht das Glockengeläut. Die Glocken rufen die Gemeinde herbei und zeigen gleichzeitig den Beginn des Gottesdienstes an. Die Besucher kommen in die Kirche, verharren meist einen Moment im Gebet oder in der Stille, setzen sich und stimmen sich auf den Gottesdienst ein. Dazu dient auch das Orgelvorspiel.
In der dann folgenden Begrüßung durch den Pfarrer oder die Pfarrerin werden erste Worte an die Gemeinde gerichtet. Sie ist gewissermaßen die Schaltstelle von der Alltäglichkeit zur rituellen Feier. Wird ein Abendmahls- gottesdienst gefeiert, folgt nun das Sündenbekenntnis (auch Vorbereitungsgebet genannt), ein Gebet, das Fehler und Verfehlungen beim Namen nennt, weil wir im Abendmahl auf die Vergebung dieser Fehler vertrauen.
Jeder Sonn- und Feiertag und also auch jeder Gottesdienst hat sein eigenes Thema, an dem sich die Predigt und die meisten Gebete, Lesungen und Lieder orientieren. Das gilt nicht nur für Feiertage wie Weihnachten oder Ostern, sondern für jeden Sonntag (vgl. dazu auch Kirchliche Sonn- und Feiertage). Das Thema war in der Begrüßung angesprochen und wird nun im Eingangslied erstmals bedacht und von der Gemeinde im Gesang aufgenommen.
Der Psalm ist ursprünglich ein Tempelgesang aus der jüdischen Liturgie und meistens in geprägter, biblischer Sprache gehalten. Wegen seiner jüdischen Herkunft fehlen in unseren gottesdienstlichen Psalmen Verse, die Christen nicht beten können (z. B. Psalm 143,11-12). Außerdem werden sie durch den Antwortgesang der Gemeinde »Ehr’ sei dem Vater ...« ( Anhören) gleichsam »getauft«, also auf den dreieinigen Gott bezogen.
Es folgen Bittruf und Lobpreis, das sind die Gesänge »Herre Gott, erbarme dich« ( Anhören) und »Allein Gott in der Höh' sei Ehr'« ( Anhören) eine lokale Besonderheit an der Kreuzkirche , jeweils versehen mit einer kurzen Aufforderung. Sie lassen das Bitten und Danken, das am Ende des Gottesdienstes ausführlich im Fürbittgebet geschieht, schon anklingen. Deshalb können sie bei besonderen Gottesdiensten (etwa mit Taufe) fehlen.
Abschluss des Eingangsteils und gleichzeitig schon Überleitung zum folgenden Verkündigungsteil ist das Tagesgebet. Es sammelt die Gedanken, die im Eingangsteil angeklungen sind, und bündelt sie in einer an Gott gerichteten Bitte.
II. Die Verkündigung Hören
Nach der Einstimmung wendet sich der Gottesdienst der Verkündigung zu, der Auslegung der Bibel und der Versicherung des Glaubens. Das Thema des Gottesdienstes wird beleuchtet und vertieft. Im Zentrum steht die Predigt.
Das Tagesgebet als Abschluss des Eingangsteils eröffnet gleichzeitig die Verkündigung. Deshalb ging ihm früher ein eigener Gruß voran (dem gesungenen »Der Herr sei mit euch ...«), der heute entfällt, weil nicht mehr verschiedene Liturgen im Gottesdienst auftreten.
Es folgt die Schriftlesung, ein Abschnitt aus der Bibel, der der Gemeinde vorgelesen wird. Das übernehmen oft Laien, z. B. Mitglieder des Kirchenvorstands oder Konfirmandinnen und Konfirmanden. Dazu gibt es oft (auch in der Kreuzkirche) ein eigenes Pult. In manchen Gottesdiensten und in manchen Gemeinden gibt es mehrere Schriftlesungen dann steht das Evangelium am Ende, weil es von allen Teilen der Bibel für Christen der wichtigste ist. Aus Hochachtung erhebt sich die Gemeinde zur Schriftlesung oder bei mehreren Lesungen zum Evangelium.
Die Gemeinde antwortet mit dem Halleluja ( Anhören), das die Freude über Gottes Wort bejubelt und ihn als den Herrn der Welt bekennt. Deshalb wird es gesungen. Deshalb entfällt es aber in der Passionszeit, der Zeit der Trauer.
Die zweite Antwort, nun bezogen auf die eigene Person vor Gott, ist das (apostolische) Glaubensbekenntnis. Es hat immer denselben (ökumenischen!) Wortlaut. Nur an hohen Festtagen kann das ausführlichere Nizänische Glaubensbekenntnis gesprochen werden was an der Kreuzkirche aber sehr selten ist.
Die Predigt, für viele Sinnbild für evangelischen Gottesdienst überhaupt, ist Höhepunkt und gleichzeitig Abschluss des Verkündigungsteils. Ihr liegt ein Bibeltext zugrunde, der sonntäglich und in sechs Jahresreihen wechselnd die Fülle der biblischen Botschaft nahe bringen soll (siehe dazu auch EG 954 und Informationen und Hintergründe zum Kirchenjahr). Zur Verlesung des Predigttextes steht die Gemeinde auf, jedenfalls wenn sie am Anfang erfolgt. Die Predigt kann gelegentlich auch eine andere Form haben, z. B. ein Spiel der Kindergottesdienstkinder oder ein Wechsel von meditativen Texten und Musik.
III. Gebet und Segen Verabschiedung
Der Beginn des Gottesdienstes führt durch Gesang und Gebet vom Alltag zur Begegnung mit Gott und seinem Wort. Der Schlussteil geht den umgekehrten Weg: Das verkündigte Wort Gottes will in den Alltag hinein wirken und in ihm und mit ihm präsent sein.
Das Lied nach der Predigt stellt den Übergang vom Verkündigungs- zum anschließenden Gebetsteil dar. Meistens nimmt es Gedanken aus der Predigt auf.
Das folgende Fürbittengebet besteht eigentlich aus mehreren Teilen. Nachdem sich die Gemeinde als Zeichen der Ernsthaftigkeit und der Ehre vor Gott erhoben hat, beginnt es meist mit den Abkündigungen. Verstorbene (mancherorts auch Brautpaare und Täuflinge) der vergangenen Woche werden in das Fürbittengebet hinein genommen; das kann aber auch innerhalb des Fürbittengebets geschehen. Dadurch zeigt die Gottesdienstgemeinde ihr Mitgefühl und ihre Anteilnahme, aber auch, dass sie an Wohl und Heil der anderen Gemeindeglieder interessiert ist.
Das eigentliche Fürbittengebet beginnt meist mit einem Lobpreis Gottes und seiner Taten, um dann um seinen Beistand und das Wohlergehen der Menschen zu bitten. Dabei werden konkrete Anliegen oder Menschengruppen genannt, besonders solche, die nicht am Gottesdienst teilnehmen oder teilnehmen können, z. B. Kranke, Hungernde oder auch Verstorbene. Daher der Name Fürbitten die Gottesdienstgemeinde bittet für andere. Weil dies immer nur beispielhaft und stellvertretend geschehen und nicht jede Sorge und jeder Bedürftige genannt werden kann, folgt das stille Gebet, in dem jeder Gottesdienstteilnehmer die Gelegenheit hat, für das zu beten, was ihm wichtig ist oder für denjenigen, der ihm am Herzen liegt.
Abgeschlossen wird das Gebet durch das Vaterunser, das Gebet, das die gesamte Christenheit über alle Konfessionsgrenzen hinweg eint und aus dem Munde Jesu Christi selbst stammt. Währenddessen läuten die Glocken, damit auch Menschen, die nicht am Gottesdienst teilnehmen, mitbeten können. Mit dem Vaterunser werden alle Gebetsanliegen noch einmal zusammengefasst und der gnädigen Liebe Gottes übergeben.
Damit endet der Gottesdienst in seinem Kern und es folgt die Überleitung in den Alltag. Das Schlusslied verbindet die Gemeinde noch einmal im gemeinsamen Gesang, bevor mit der Verlesung der Bekanntmachungen die kommende Woche in den Blick kommt. In manchen Gemeinde werden sie wie die Schriftlesung von Laien übernommen. Sie enthalten Einladungen zu Veranstaltungen, den Zweck der Kollekte (siehe unten) und das Ergebnis der Kollekte des vergangenen Sonntags sowie weitere Dinge, die der Gemeinde bekannt gegeben werde sollen. Am Ende wird der Wochenspruch (vgl. dazu auch Kirchliche Sonn- und Feiertage) verlesen, der die Gottesdienstbesucher in der kommenden Woche begleiten soll. Der Segen will abschließend Mut und Trost zusprechen und den Beistand Gottes als tatsächlich zusagen. Deshalb ist er (normalerweise) eine Segensspende: mit erhobenen Händen und als direkte Anrede. Die Gemeinde antwortet mit einem dreifachen Amen ( Anhören).
Nach dem Orgelnachspiel, in manchen Gemeinde auch schon währenddessen, verlässt die Gemeinde die Kirche und wird in der Regel vom Pfarrer oder der Pfarrerin an der Tür mit Handschlag verabschiedet. Am Ausgang wird auch die Kollekte eingesammelt, eine Geldsammlung für die Arbeit der Gemeinde oder für einzelne Projekte oder Einrichtungen.
IV. Taufe und Abendmahl
Nicht an jedem Sonntag hat der Gottesdienst denselben Verlauf. Gelegentlich gibt es in ihm eine Taufe oder die Feier des Abendmahls. In diesen Sakramenten feiert die Gottesdienstgemeinde die Gegenwart Jesu Christi. Die Grundform des Gottesdienstes wird dabei erweitert.
Durch die Taufe wird man in die Jüngerschaft Jesu aufgenommen. Dies kann nur einmal geschehen und ist dann fortwährend gültig. Dadurch scheint die Taufe eine nur private und familiäre Feier zu sein. Doch hat auch die Gemeinde Grund zu feiern: Sie bekommt ein neues Mitglied und wird an die grundsätzliche Bedeutung der Taufe erinnert. Deshalb werden Taufen in der Regel im Sonntags- gottesdienst gefeiert.
Die Taufliturgie steht vor der Predigt, einerseits aus praktischen Gründen (weil kleine Kinder leicht unruhig werden), anderseits um zu symbolisieren, dass man erst durch die Taufe zur Gemeinde gehört und zu Verkündigung und Abendmahl kommt. Zur Taufe gehören eine Schriftlesung (meistens der sog. Taufbefehl Matthäus 28,1620), das Glaubensbekenntnis, denn man wird ja aus Glauben getauft den bei Kindern stellvertretend Eltern und Paten in der Tauffrage bekennen sowie die eigentliche Taufe durch dreimaliges Begießen mit Wasser und die Nennung der Namen von Täufling und Gott. Dadurch treten Täufling und Gott in eine möglichst lebenslange Beziehung zueinander. Im Anschluss daran erhalten auch Eltern und Paten sowie die versammelte Gemeinde einen Segen, der hat den Segen ja schon in der eigentlichen Taufe erhalten. In vielen Gemeinde (so auch an der Kreuzkirche) bekommen die Täuflinge eine Taufkerze als Erinnerung und als Symbol für das Licht, das Jesus Christus für Christen ist.
Anders als bei der Taufe kann man die Gemeinschaft mit Christus im Abendmahl immer wieder erleben. Es ist Teil des Gottesdienstes (in der katholischen Kirche immer!) und kann nicht von ihm abgetrennt werden. Schon zu Beginn des Gottesdienstes ist daher ein Sündenbekenntnis als Vorbereitungsgebet eingefügt, das den Wunsch nach der Gemeinschaft mit Gott zur Sprache bringt.
Die Abendmahlsliturgie beginnt nach der Predigt mit der Danksagung (an Gott für seine Güte und seine Gaben); das »Heilig, Heilig« ( Anhören) ist die zugehörige Antwort der Gemeinde. Die Einsetzungsworte erinnern an die Gemeinschaft mit dem leibhaftigen Christus und machen sie so gegenwärtig. Das Vaterunser und das sog. Agnus Dei »Christe, du Lamm Gottes« ( Anhören) signalisieren, dass die Gemeinde zur Gemeinschaft mit Jesus bereit ist.
Mit dem Friedensgruß werden die Gottesdienstteilnehmer ermutigt und ermuntert, zum Altar zu kommen und am Abendmahl teilzunehmen. Beschränkungen, wer kommen darf, gibt es jedenfalls an der Kreuzkirche keine. Dann beginnt die Austeilung: Brot (Oblaten oder richtiges Brot) und Wein (oder Traubensaft an der Kreuzkirche immer Traubensaft) stehen stellvertretend für die umfassende Geltung der Liebe Gottes in allen Bereichen des Lebens, im Allgemeinen und Alltäglichen (Brot) ebenso wie im Besonderen und Festlichen (Wein). Die Teilnehmer am Abendmahl werden dann mit einem Bibelvers (dem sog. Entlassspruch) und einem Segenswort auf ihren Platz verabschiedet. Ggf. kommt dann die nächste Gruppe zum Altar.
Abgeschlossen wird die Abendmahlsfeier durch ein kurzes Dankgebet, das in die Fürbitten überleitet (bei denen dann das Vaterunser fehlt).
V. Raum, Symbole und Gesten
Der evangelische Gottesdienst steht in dem Ruf, recht kopf- und wortlastig zu sein. Trotzdem gibt es auch in ihm zahlreiche Elemente, die ohne Worte etwas mitteilen und Glauben verdeutlichen können.
Schon in der Gestaltung des Raumes zeigt sich eine bestimmte Theologie. Neben der Frage der Konfession betrifft das vor allem die Anordnung von Altar, Kanzel und Taufstein. Sie bilden in evangelischen Kirchen oft ein Dreieck (z. B. in der Christuskirche und der Friedenskirche, in der Kreuzkirche aus baulichen Gründen allerdings nicht). Die beiden Sakramente Taufe (Taufstein) und Abendmahl (Altar) sowie das verkündigte Wort (Kanzel) gehören untrennbar zusammen. Jedes Element kann nur gemeinsam mit den beiden anderen wirken. Zentrum aber ist die Gemeinschaft im Mahl und die Anbetung Gottes am Altar. Dies entspricht eher lutherischem Kirchenbau. Reformierte Kirchen haben die Kanzel oft über dem Altar (z. B. in der Johanneskirche oder der Wallonisch- Niederländischen Kirche), d. h. das verkündigte Wort bestimmt alles andere, auch die Sakramente. Häufig befindet sich der Taufstein aber auch im Eingangsbereich der Kirche (so meist in katholischen), manchmal sogar im Gang. Das bedeutet: Man kommt erst durch die Taufe zum Altar, zur Anbetung Gottes, zum Glauben.
Theologisch bedeutend ist auch die Form des Altars. Ein Hochaltar (wie in vielen Gegenden üblich, nicht aber in Hanau) dient der Anbetung Gottes. Man kann nur vor ihn treten. Versteht man den Altar eher als Ort der Gemeinschaft, dann hat er die Form eines Tisches (wie durchweg in den evangelischen Kirchen in Hanau). Er symbolisiert den Tisch, an dem Jesus das letzte Mahl feierte, ist also »theologischer Esstisch« in manchen Gemeinden geht man nach dem Abendmahl um ihn herum, um das deutlich zu machen.
Neben den festen räumlichen Gegebenheiten gibt es aber auch wechselnde Symbole für verschiedene Jahreszeiten und Stimmungen. Das sind etwa die liturgische Farben der Antependien, der Behänge an Kanzel und Altar (dazu Genaueres unter EG 953 oder unter Informationen und Hintergünde zum Kirchenjahr), aber auch bestimmter Schmuck (Erntetisch, Adventskranz, Weihnachtsbaum und -krippe) oder dessen völliges Fehlen am Karfreitag; schon das signalisiert Trauer, Freude oder Besinnung. In vielen Gemeinde, auch an der Kreuzkirche) wird im Gottesdienst am Ostersonntag eine Osterkerze entzündet. Sie ist Symbol für die Auferstehung, auf der sich die christliche Kirche gründet. Sie brennt ab dann in jedem Gottesdienst bis zum Ende des Kirchenjahres am Ewigkeitssonntag. An ihr werden dann auch die Taufkerzen (siehe oben) entzündet.
Theologisch bedeutsam sind schließlich auch die Gesten von Pfarrer oder Pfarrerin und Gemeinde sowie die Frage, wo was geschieht. Aufstehen ist eine Ehrbezeugung vor Gott und geschieht deshalb bei den wichtigeren Teilen des Gottesdienstes. Wenn sich der Pfarrer zu den Liedern in die Bank setzt, reiht er sich in die Gemeinde ein manche sprechen aus dem gleichen Grund alle Gebete zum Altar hin. Der Altar ist der Ort der Gebete, Kanzel und Pult (falls vorhanden) der der »Lehre«, also von Lesungen und Predigt. Eine strikte räumliche Trennung zwischen Pfarrer und Gemeinde gibt es nach evangelischem Verständnis nicht.
Michael Ebersohn, 1997/2005
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